Meine Therapeutin, die KI

Laut einer Untersuchung vertrauen angeblich bereits 20 Prozent der Befragten der KI ihre geheimsten Probleme an.

Die KI sei nämlich zugewandt und empathisch wie kaum ein Mensch.

Echt jetzt?

 

 

Joseph Weizenbaum

Vielleicht kennen diesen Mann nur wenige. Er war ein Ketzer gegen den Computer. Und selbst ein genialer Informatiker. Er unterrichtete ab 1963 am MIT und baute dort mit anderen das Arpanet auf, einem Vorläufer des Internets.

Ich hatte das Glück, ihn zwei Mal bei einem Vortrag zu erleben. Der eine glich dem anderen weitgehend, aber das schmälerte nicht das Vergnügen, ihn zu sehen und zu hören. Er war ein begnadeter Redner, genauer gesagt: Er sprach so, dass alle ihn verstehen konnten. Außerdem war er humorvoll und selbstkritisch.

Ich erinnere mich an die Anekdote mit seiner Enkeltochter, die er erzählte. Sie fragte ihn, wie spät es sei. Und ergänzte: Aber bitte erkläre mir nicht, wie eine Uhr funktioniert.
Das war wohl seine selbst auferlegte Aufgabe: Die Menschen sollten verstehen, warum etwas so ist, wie es ist.

Seine Bücher „Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft“ und „Computermacht und Gesellschaft“ bestätigten mich in meiner naiven Ablehnung dieser Maschine: Ich fand sie zu einem kleinen Teil nützlich, zu einem großen gefährlich. Der nützlichste Teil davon war, dass ich meine Texte einfach korrigieren konnte. In früheren Zeiten war das nervend. Text tippen, lesen, ausbessern, den überarbeiteten Text nochmals tippen, Teile ausschneiden, einfügen, kopieren. Eine beschissene Arbeit.
Mein erster Computer hieß Schneider Joyce und mit ihm fiel die Korrekturarbeit wunderbar aus. Mein Buch „Wiener Brut“, das bei #rororo erschien, hätte ohne ihn sehr viel länger gedauert.

 

Lehrt Wichtiges!

Weizenbaum war ein Radikaler, er ging an die Wurzeln der EDV. Es ist Unsinn, meinte er, junge Menschen bloß mit Programmen zu konfrontieren und ihnen zu zeigen, wie man sie verwendet.
Besser wäre es, wenn sie einen Computer selbst zusammenbauen könnten. Dann verstünden sie, wie er funktioniert und wären nicht abhängig von ihm.

Ich stimmte seinen Sätzen gerne zu. Etwa diesen:
„Man spricht heute häufig von einer Wissensexplosion, mit der wir konfrontiert sind. … Was wir hatten und haben ist eher eine ‚Quatsch-Explosion‘.“

Das galt auch für ‚wissenschaftliche‘ Arbeiten, die ebenfalls aus einer Quatschbude stammen könnten.
„Die Studenten an meinem Institut, dem MIT, haben uns gezeigt, daß man sogar Papiere verfassen kann, die man nicht einmal selber lesen muß. Dies alles geht mit Hilfe des Computers.“

Dieser Joseph Weizenbaum erlaubte sich vor über einem halben Jahrhundert einen Scherz.
Dachte er anfangs.
Er erfand 1966 ein Programm namens ‚Eliza‘, das auf Fragen eines Menschen Antworten gab. Diese Antworten orientierten sich an der Arbeitsweise des Psychotherapeuten Carl Rogers.

„Ein solcher Therapeut ist verhältnismäßig leicht zu imitieren, da ein Großteil seiner Technik darin besteht, den Patienten dadurch zum Sprechen zu bringen, daß diesem seine eigenen Äußerungen wie bei einem Echo zurückgegeben werden.“
Im Buch folgt das Beispiel eines solchen Gesprächs mit einem Computer. Die Antworten des Computers sind in Großbuchstaben dargestellt.

 

Eliza bzw. Doctor

Die Männer sind alle gleich.

IN WELCHER WEISE?

Sie machen uns immer wegen irgendwas verrückt.

KÖNNEN SIE EIN BEISPIEL NENNEN?

Naja, die Idee zu diesem Gespräch stammt von meinem Freund.

DIE IDEE ZU DIESEM GESPRÄCH STAMMT VON IHREM FREUND?

Er sagt, daß ich oft deprimiert bin.

ES TUT MIR LEID VON IHNEN ZU HÖREN, DASS SIE DEPRIMIERT SIND

Das stimmt, ich bin unglücklich.

Und in der Art immer weiter. Ein Gespräch, das eigentlich keines ist. Der Computer ist nämlich kein Mensch und kann nur mit Floskeln, die vom Programmierer gut gewählt sind, auf das Gegenüber eingehen.

Da die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Leserinnen und Lesern heute angeblich ziemlich gering ist, fasse ich die weitere Entwicklung des Scherzes zusammen:
Das Programm wurde zuerst in DOCTOR umbenannt, was viel besser klingt als ELIZA. Dann wurde es Psychiatern vorgestellt. Die waren von dem Programm – heute Chatbot oder KI genannt – so begeistert, dass sie tatsächlich und allen Ernstes hofften, es würde zu einer automatischen Form der Psychotherapie ausgebaut werden.
Weizenbaum war entsetzt!

„Ich konnte bestürzt feststellen, wie schnell und wie intensiv Personen, die sich mit DOCTOR unterhielten, eine emotionale Beziehung zum Computer herstellten und wie sie ihm eindeutig menschliche Eigenschaften zuschrieben.“

Diese Erkenntnis ist, wie gesagt, über ein halbes Jahrhundert alt. Weizenbaums Scherz hat sich leider in eine irreale Wirklichkeit verwandelt. Menschen fühlen sich vom Computer besser verstanden als von Menschen.
Das sagt viel über den Zustand der (westlichen) Welt aus.
Und über ihren Bildungsstand.

Schöne Grüße aus den Alpen
Ihr/euer
Erich Ledersberger

PS: Joseph Weizenbaum starb 2008 in seiner Geburtsstadt Berlin. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee begraben.
Seine Bücher sollten zur Pflichtlektüre aller Pädagoginnen und Pädagogen gehören.
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Weizenbaum

 

Bitte mehr Latein! Eure Masochisten

Eigentlich wollte ich eine Kolumne zum (Un)Sinn des Lateinunterrichts schreiben.

Der Text war beinahe fertig, da schickten mir jemand von den Skeptikern einen Link zu einem Wissenschafter, der ähnliche Argumente vor 100 Jahren äußerte, die ich teile.

 

Meine Kolumne sollte so beginnen.

Der Untergang des Abendlands

Oswald Spengler hatte ihn bereits vor dem 1. Weltkrieg prophezeit, „Bildungs“minister Wiederkehr vollendet ihn im dritten Jahrtausend:
Lateinunterricht soll gekürzt werden!

Das gab einen Aufschrei unter Österreichs „Intellektuellen“.
Von Nobelpreisträgerinnen bis zu Wissenschaftlern, von ÖVP-Gewerkschaftern über Lateinlehrer reicht die Empörung. Das sei „pädagogisch unhaltbar und fachlich unredlich“ jammern Promis aller Art, die jedenfalls aus Altersgründen keine Lateinprüfungen mehr ertragen müssen.

Weiter heißt es:
„Wer Latein marginalisiert, schwächt bewusst jene Fähigkeiten, die eine demokratische Gesellschaft dringend braucht: strukturiertes Denken, sprachliche Präzision, historische Urteilskraft.“

Ich vermute, die Unterzeichner hatten keinen Lateinunterricht wie ich.
Sechs Jahre lang quälte ich mich im Gymnasium durch Cäsar, Ovid (die sexuell interessanten Gedichte ließ unser Lehrer im Sinne der humanistisch-katholischen Bildung aus) oder Cicero. Wir hatten vier bis fünf Stunden jede Woche dieses Unsinns zu absolvieren.
Geblieben sind so wichtige Sätze wie „Der Würfel ist gefallen“ – nein, nicht DIE WÜRFEL, wie neulich ein humanistisch ungebildeter Journalist im ORF sagte – oder auch „Ich kam, sah und siegte“.

Latein war DAS Selektionsfach des Gymnasiums. Hier wurden die „Schlechten“ von den „Guten“ aussortiert. Übrig blieb die geistige Elite des Landes.
Zum Beispiel ich.
Es war meinem ökonomischen Prinzip, nicht dem Lateinunterricht zu verdanken, dass ich mit wenigen Mitteln das Maximum humanistschen Denkens erreichte: die Matura.
Am schönsten hat das mein Freund Wolfgang ausgedrückt. Als ich wieder einmal einen Text aus dem Lateinischen in die deutsche Sprache übersetzte, stotternd und ratlos, sagte mein Lateinlehrer:
„Du bist wie ein Auto auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Außen hui und innen pfui.“
Bevor ich antworten konnte, drehte sich Wolfgang zu mir und sagte:
„Dann hast du unser Bildungsideal ja erreicht.“
Der Zorn des Lehrers wandte sich Wolfgang zu, ich war außer Gefahr. Ein bisschen feige, dachte ich, aber Wolfgang tröstete mich. Er fand sein Eintreten für mich und gegen Lateinunterricht dieser Art normal.

Angeblich fördert Latein das logische Denken. Auf meine erste Schularbeit bekam ich ein „Sehr Gut“. Auf die zweite ein „Genügend“. Nach der Logik meiner Lateinlehrerin ergab das ein Genügend. Mein anfängliches Interesse an Latein verschwand auf der Stelle.

Ich möchte sachlich bleiben und Hans Hahn zitieren.
Hier ein Auszug aus dem Standard-Artikel:

„Drei mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Personen aus Österreich, die Crème de la crème der heimischen Literatur und etliche weitere prominente Persönlichkeiten setzten sich dieser Tage in einer Petition gegen Kürzungen von Latein im Gymnasialunterricht ein. Gegen so viel bildungsbürgerliche Autorität ist schwerlich etwas einzuwenden – oder doch?
Bereits 1926 nahm Hans Hahn, Professor für Mathematik an der Universität Wien und zentrales Mitglied des Philosophenzirkels Wiener Kreis, die meisten der auch heute wieder vorgebrachten Argumente gründlich auseinander.

Bevor es hier im Folgenden die wichtigsten Passagen aus Hahns Text „Universität und Schulreform“ aus dem Jahr 1926 zu lesen gibt, kurz noch zum Kontext der damaligen Debatte: In der jungen Ersten Republik bemühte sich der Sozialdemokrat Otto Glöckel um eine umfassende Modernisierung des Schulsystems, plädierte für die Einführung einer gemeinsamen Schule bis 14 und wollte die Curricula entschlacken. Er scheiterte, was nicht zuletzt an Richard Meister lag, einem Gymnasialprofessor für Latein und Griechisch.

Mit dem Auftrag, Glöckels Reformen zu verhindern, wurde Meister 1923 ohne Habilitation zum Ordinarius für Pädagogik an der Uni Wien berufen und blieb von da an bis in die 1960er-Jahre entscheidender schulpolitischer Berater im bis dahin stets konservativ geführten Unterrichtsministerium.

Der jüdische Sozialdemokrat Hahn war an der Universität Wien schul- und hochschulpolitisch einer von Meisters wichtigsten Gegenspielern. Dass der Antisemit Meister und das Ministerium sich letztlich durchsetzten, lag aber eher nicht an der Schwäche von Hahns Argumenten, wovon man sich in seinem bis heute lesenswerten Text überzeugen kann.
Weiter im Text von Hans Hahn:

„Warum aber legen die Universitäten einen so außerordentlichen Wert auf die Kenntnis des Lateinischen? Dafür werden verschiedene Gründe angeführt. Es wird gesagt, für das Studium mancher Fächer seien Lateinkenntnisse unentbehrlich. Das ist gewiss richtig; wer klassische Philologie, wer Geschichte studieren will, muss Latein können. (Vielfach wird auch behauptet, dass man zum Medizin- und Jusstudium unbedingt Latein brauche. Wenn das überhaupt richtig sein sollte, so genügen dazu jedenfalls ziemlich geringfügige und primitive Lateinkenntnisse, zu deren Erwerbung sicherlich nicht ein langjähriges Studium erforderlich ist.)

Argumente und Gegenargumente

Aber weil die paar Leute, die solche Fächer studieren wollen, Latein brauchen, müssen es deswegen alle übrigen auch lernen? Wer Geschichte des Orients treiben will, muss Arabisch können; kann man daraus aber den Schluss ziehen, dass alle Mittelschüler Arabisch lernen müssen? – Dann heißt es wieder, man müsse Latein lernen, weil das das Erlernen der lebenden romanischen Sprachen beträchtlich erleichtere. Sollte es nicht aber, wenn man Französisch und Italienisch lernen will (und andere romanische Sprachen kommen praktisch nicht infrage), zweckmäßiger sein, man lernt direkt Französisch und Italienisch, ohne dass man erst acht Jahre Latein lernt, um nachher leichter zu Französisch und Italienisch lernen zu können?

Vielfach hört man, Latein sei unentbehrlich, weil die Fachausdrücke in allen Wissenschaften lateinisch seien. Da ist vor allem zu sagen, dass sie großenteils nicht lateinisch, sondern griechisch sind; man müsste also konsequenterweise auch von allen Hochschulstudierenden Kenntnis des Griechischen verlangen, dass das aber nicht nötig ist, geben heute ja schon die meisten Hochschullehrer zu. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um einen recht geringen Wortschatz, zu dessen Erlernung ohne große Anstrengung ein paar Wochen ausreichen. Deswegen ein achtjähriges Lateinstudium verlangen, heißt wahrlich, mit Kanonen auf Spatzen schießen; und ganz bestimmt braucht man dazu nicht alle Tücken der lateinischen Grammatik und Syntax, auf die in den Gymnasien so großes Gewicht gelegt wird.

Eigene Experimente

Übrigens habe ich Experimente angestellt, ob denn nun wirklich diejenigen, die Latein gelernt haben, die Fachausdrücke ihrer Wissenschaft verstehen, und diese Experimente sind negativ ausgefallen. Ich habe Personen, die mich überzeugen wollten, dass das Latein aus dem in Rede stehenden Grunde unentbehrlich sei, und die sogar selbst Latein unterrichten, gefragt: Was bedeuten die Worte „Subjekt“, „Akkusativ“, „Aorist“? Man konnte mir nicht antworten.

Ich habe das Experiment an Fachgenossen (Mathematikern), die Latein gelernt haben, wiederholt; ich habe nach der Bedeutung so geläufiger Fachausdrücke wie: Abszisse, Ordinate, Parameter, Kathete, Hypotenuse gefragt, ich habe gefragt: Warum heißen gewisse Kegelschnitte Ellipsen, andere Hyperbeln, andere Parabeln; ich bekam darauf keine Antwort. Tatsächlich kennen wohl die wenigsten Mathematiker die Bedeutung dieser Worte, es sei denn, dass sie sich eigens dafür interessiert haben.

(Un-)Verständnis der Antike

Wieder andere Anhänger der alten Sprachen meinen, das bisher vorgebrachte seien Kleinigkeiten, die gar nicht das Wesen der Sache berühren. Das, worauf es ankommt, sei vielmehr dies: Unsere heutige Kultur beruhe auf der Kultur der Antike, darum könne man das Wesen unserer heutigen Kultur, insbesondere auch unserer heutigen Wissenschaft nur erfassen, wenn man das Wesen der antiken Kultur erfasst habe, und dazu sei Kenntnis der alten Sprachen erforderlich.

Ich glaube nicht daran, dass für das Verständnis unserer heutigen Kultur das Verständnis der Antike erforderlich sei. Aber selbst, wenn dem so wäre: Ist die Art, wie am humanistischen Gymnasium die alten Sprachen gelehrt werden, denn wirklich geeignet, in den Geist der Antike einzuführen? Der Geist der Antike spricht zu uns aus den erhaltenen Denkmälern, in erster Linie denen der Literatur. Und wenn wir ehrlich sind, so müssen wir sagen, dass von Absolventen unserer Gymnasien gut neunzig Prozent überhaupt nicht imstande sind, einen antiken Autor auch nur halbwegs fließend zu übersetzen. (…)

Plato und das logische Denken

Ich glaube, wenn es wirklich notwendig ist, unsere Achtzehnjährigen in den Geist Platos einzuführen, so wird es besser gelingen, wenn man ihnen die schlechteste Übersetzung in die Hand gibt, als durch das mühsame Zusammenstoppeln Satz für Satz, wie es in den Gymnasien getrieben wird. Eines aber scheint mir ganz sicher: Der Weg zum Verständnis Platos führt nicht über unregelmäßige Aoriste und die Verba auf u.

Wieder von anderer Seite kann man hören, das vom Geiste der Antike sei nur Phrase, auf die lateinische Grammatik komme es an, denn sie schule den Geist wie nichts anderes. In diesem Punkte möchte (…) [ich] hinzufügen, dass ich fest überzeugt bin, dass das Schrifttum in unserer Muttersprache, die modernen Fremdsprachen, Mathematik und Naturwissenschaften übergenug bieten, was das logische Denken ebenso schulen kann, wie die lateinische Grammatik. Übrigens zeigen gewisse neuere logische Untersuchungen (B. Russell), dass die Beziehungen zwischen Sprache und Logik keineswegs so enge sind, als man zunächst annehmen möchte, dass im Gegenteil die Sprache oft der gefährlichste Feind der Logik ist.

Psychologische Wurzeln…

Neben Argumenten dieser Art hat aber wohl der starre Widerstand, den die Hochschulen dem Reformwerke des Stadtschulrates entgegensetzen, auch psychologische Wurzeln, die allgemein menschlicher Natur und keineswegs auf die Gelehrten beschränkt sind, vielmehr in weiten Kreisen der Gesellschaft wirksam sind. So ist es eine oft zu beobachtende Tatsache, dass ausgestandene Strapazen, unter denen man recht schwer gelitten hat, mit der Zeit irgendwie verklärt, von einem Hauch wehmütiger Poesie umflossen erscheinen, und man sich nach ihnen zurücksehnt.

So denken gerade manche Menschen, die als Rekruten tüchtig geschunden worden sind (und das ist im Kriege so manchem passiert) später mit einer eigenen sentimentalen Sympathie an ihre Militärzeit zurück, und so bildet sich bei vielen Menschen, wenn sie älter werden, eine freundlich gestimmte Rückerinnerung an die Schulen heraus, in denen sie in ihrer Jugend geplagt wurden, und sie meinen, es sei für die heutige Jugend sehr gut, eben dieselbe Art von Schule durchzumachen. (…)

…und politische Vorbehalte

Vielfach ist auch – wenngleich unbewusst – allgemeine gegnerische Einstellung gegen den Sozialismus eine Wurzel des Widerstandes gegen die Schulreform, obwohl doch diese Schulreform keineswegs politisch und einseitig sozialistisch eingestellt ist, und gleich begeisterte und hingebungsvolle Vorkämpfer und Verehrer in allen politischen Lagern hat. Man sieht im Sozialismus den Feind, der das bedroht, was einem lieb und heilig ist, man weiß: Die Schulreform geht aus vom Wiener Stadtschulrat, an der Spitze des Stadtschulrates steht ein ausgesprochener Sozialist, man ist überzeugt: von den Sozialisten kann nichts Gutes kommen, also kann auch die Schulreform nicht gut sein; die bekannte Stimmung: quidquid id est, timeo Danaos… “ (Hans Hahn, tasch, 1926 und 5.2.2026)

Das Kreuz mit dem Kreuz

Nachdem der ‚heilige Abend‘ und die ‚Drei Könige‘ glücklich an uns vorübergegangen sind, können wir nun grundlegende Themen ansprechen.

Etwa das Verhalten der #ÖVP in den letzten Tagen des Jahres 2025

 

An den ‚christlichen‘ Feiertagen geht es bekanntlich nicht um christliche Botschaften, sondern in erster Linie um die Umsatzzahlen des Einzelhandels und der Online-Geschäftemacher. Keinesfalls haben die Tage mit Nächstenliebe, Toleranz und Frieden zu tun. Beweise dafür liefert nicht nur Putin, der mit christlich-orthodoxem Segen in der Ukraine Menschen ermordet, es reicht schon der Blick auf die heimische Politik. Eine Ministerin für Integration postet da folgenden Text:
‚Wusstest du, dass zwei Drittel das Zusammenleben mit Muslimen als schwierig empfinden?‘

Das klingt nach #FPÖ, ist aber von der so genannt christlichen ÖVP. Innenminister Karner, ehemaliger Bürgermeister von Texingtal und damals Betreiber des Dollfußmuseums, in dem man dem austrofaschistischen Kanzler huldigen konnte, findet die Aussage wissenschaftlich fundiert und sensibel.

Nun könnte man ergänzen, liebe ÖVP:
Wusstest Du, dass zwei Drittel sich eine Erbschafts- und Vermögenssteuer wünschen?

Egal, genug der Logik, wenden wir uns wieder den ‚christlichen‘ Politikerinnen und Politiker zu.
Auch der oberösterreichische Landeshauptmann Stelzer hat eine ‚christliche‘ Botschaft an das Volk: ‚Ja zum Kreuz in Schulen und öffentlichen Gebäuden‘ sagt er händeringend in die Kamera. Unsere Identität wird nämlich, so meint er, durch das Kreuz ausgedrückt.

Werter Herr Landeshauptmann!
Meine österreichische Identität wird nicht durch das Kreuz, sondern höchstens durch die Sozialdemokratie ausgedrückt. So sehr ich Jesus Christus bewundere und verehre, so sehr ist mir die katholische Kirche – und auch die orthodoxe – kein Vorbild. Mit Jesus haben beide wenig zu tun. Mehr schon mit Kindesmissbrauch, Ermordung indigener Völker, Folterungen durch Inquisition, Hexenverbrennungen und vielen anderen Grauslichkeiten.

Alles Ereignisse, die etwa mit der Sozialdemokratie nichts zu tun haben. Ihre Mitglieder haben nicht getötet, sondern Wohnungen für Arme errichtet, Spitäler und Schwimmbäder gebaut und das Gemeinwohl gefördert. Darum wären die drei Pfeile der #SPÖ für Klassenräume geeigneter als Kreuze.

Das Kreuz gehört nicht zu den Grundfesten Österreichs!
Sehr wohl aber die sozialen Errungenschaften. Und die sind, Pardon, nicht auf den Feldern der ÖVP gewachsen.

Auf ein Jahr 2026, in dem solche Unsinnigkeiten wie die von Plakolm und Stelzer nicht mehr vorkommen.
Ihr/euer
Erich Ledersberger

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